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Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen PDF

1999 unterzeichnete Deutschland die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen und ist damit völkerrechtlich verbindliche Verpflichtungen eingegangen. Seitdem stehen in Deutschland die Minderheitensprachen der Friesen, Sorben, Dänen sowie der Sinti und Roma sowie die Regionalsprache Niederdeutsch unter dem Schutz der Charta.

 

Fünf Bundesländer - Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein - stellten das Niederdeutsche unter den Schutz von Teil III der Sprachencharta. Aus einem breiten Spektrum von Aspekten und Maßnahmen formten sie jeweils ein Menü aus mindestens 35 Punkten, zu deren Einhaltung sie sich verpflichteten.

 

Mit Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt übernahmen drei weitere Länder die allgemeinen Erklärungen zum Schutz des Niederdeutschen, die in Teil II der Sprachencharta festgeschrieben sind. Auch hierbei handelt es sich um verbindliche Positionen, die zu aktivem Handeln verpflichten.

 

Die Sprachencharta stellt eine wichtige Grundlage für die Arbeit des Bundesraat dar.

Seit dem Beitritt Deutschlands zur Sprachencharta haben sich die Rahmenbedingungen für einen effektiven Sprachenschutz erheblich verbessert. Der Staat erkennt die Tatsache an, dass ein Fortbestand der sprachkulturellen Vielfalt im Norden Deutschlands mehr ist als eine Privatanlegenheit. Der Bund un mit ihm acht Bundesländer, hat sich ausdrücklich zum aktiven Sprachenschutz entschlossen. Die Bundesländer sind verbindliche Verpflichtungen eingegangen, die es zu erfüllen gilt. Und die Sprechergruppe des Niederdeutschen hat einen Anspruch darauf, ihre Forderungen angemessen vorzubringen.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass nicht die Existenz einer Sprachencharta allein zu einer effektiveren Sprachenpolitik führt. Entscheidend ist vielmehr der Prozess, der sich im Zusammenspiel der beteiligten Interessengruppen entwickelt hat.
In mehreren Bundesländern ist es gelungen, Gremien zu installieren, in denen die Plattsprecher in einem konstruktiven Dialog mit der Politik und der Administration stehen. 
für die Europa- und die Bundesebene mussten die Niederdeutschsprecher ein überdachtes Gremium schaffen: 2002 gründete sich der Bundesraat för Nedderdüütsch, für den das Institut für niederdeutsche Sprache die Geschäftsführung übernommen hat.

 

Der Charta-Prozess

Äußerlich lässt sich der Charta-Prozess durch eine feste Abfolge von Prüfmaßnahmen beschreiben:

  • Die Bundesländer legen in einem dreijährigen Turnus Berichte vor, in denen sie dezidiert und aktuell zu den einzelnen Verpflichtungen Stellung nehmen.
  • Unter Federführung des Bundesministerium des Innern werden diese Texte zum sogenannten Staatenbericht zusammengefasst, dessen Anhang auch die Kommentierungen der Sprachengruppen ausweist.
  • Der Staatenbericht bildet die Grundlage für ein Monitoringverfahren, bestehend aus Vor-Ort-Besuchen durch den Sachverständigenausschuss des Europarats und einen daraufhin verfassten Bericht, der dem Ministerkomitee vorgelegt wird. Darin ist auch jeweils vermerkt, ob ein Bundesland seine Verpflichtung erfüllt hat oder nicht.
  • Die Bundesregierung nimmt anschließend zu diesem Bericht Stellung.

 

Die Staatenberichte sowie die Berichte der Expertenkommission haben sich als die wichtigsten Instrumente innerhalb des Charta-Prozesses erwiesen.
Diese fest etablierten Abläufe dokumentieren, dass Niederdeutsch mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil europäischer und deutscher Sprachenpolitik ist.

 

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